Genauso wenige Niederlagen wie der Vize-Europameister – und doch nur Siebter

Quelle: www.dhb.de

Der Frust ist groß. Spieler und Trainer der deutschen Junioren-Nationalmannschaft saßen am Sonntag, als in der Türkei das Endspiel der U20-Europameisterschaft ausgetragen wurde, auf der Tribüne: Zuschauer statt Aktiver. „Am Ende hatte der Vize-Europameister genauso wenige Niederlagen auf dem Konto wie wir“, sagte DHB-Trainer Christian Schwarzer. Im Finale in Ankara feierten die Spanier mit dem klaren 34:21 über Kroatien den EM-Titel. Rang drei belegte das Team aus Slowenien, das die Schweden knapp mit 36:34 niederrang.

„Noch nie in meiner Karriere habe ich erlebt, dass eine Mannschaft, die in der Hauptrunde alle Spiele gewinnt, nicht in die Halbfinals einzieht“, ärgerte sich der 319fache Ex-Nationalspieler und Weltmeister von 2007. Die beiden Minuspunke, die aus der Niederlage gegen Slowenien in der Vorrunde resultieren, gingen mit in die Hauptrunde, wo nach den Siegen über die Schweiz und über Schweden drei punktgleiche Nationen mit jeweils 4:2 Zählern an der Spitze standen. So musste die Tordifferenz entscheiden, und die sprach gegen Deutschland. Blacky Schwarzer: „Na ja, wir hätten gegen die Schweden halt drei Tore mehr erzielen müssen.“ Im Halbfinale hatte Spanien die Schweden mit 29:26 besiegt, Kroatien gab Slowenien mit 30:23 das Nachsehen.

Für das deutsche Team setzte es gegen Norwegen in den Spielen um die Plätze 5 bis 8 noch eine Niederlage. „Die trübt den positiven Eindruck, den unsere Mannschaft hier in der Türkei hinterlassen hat. So weit sind wir bei den Junioren von der Weltspitze nicht entfernt, wenngleich es viele Leistungsschwankungen in unserem Spiel zu konstatieren gab“, kommentierte DHB-Handballmanager Heiner Brand, der das Geschehen in Ankara unter die Lupe nahm, den 7. Abschlussplatz.

Einige Spieler schafften es dennoch, ihre Klasse bei dieser Europameisterschaft unter Beweis zu stellen. So Felix Storbeck, der Torhüter aus Rostock, der wieder eine gute Gesamtleistung zeigte. Patrick Zieker, der als bester Linksaußen ins All-Star-Team der EM gewählt wurde, erhielt vom Trainer ein Sonderlob: „Er hat ein sehr gutes und konstantes Turnier gespielt und war fast in jedem Spiel 60 Minuten auf dem Feld.“ Auch Julius Kühn heimste gute Noten ein: „Julius hat demonstriert, dass er in seiner Entwicklung wieder einen Schritt weitergekommen ist. Sowohl im Angriff als auch hinten im Zentrum stellte er eine große Stütze für das Team dar. Hoffentlich geht er in Essen seinen Weg weiter und arbeitet dort verstärkt an der Kooperation mit dem Kreisläufer, um sich noch mehr Optionen zu eröffnen.“ Über Philipp Weber urteilt der Trainer: „Er hat gezeigt, dass er eine echte Alternative auf Rückraummitte sein kann, wenn er sich auf seine Aufgaben konzentriert. Philipp verfügt über viel Steigerungspotenzial.“ Und auch Abwehrspezialist Markus Hansen hinterließ einen positiven Eindruck. Schwarzer: „Markus ist zwar im Angriff nicht in Erscheinung getreten, hat aber eine überragende EM in der Abwehr abgeliefert, gleichgültig auf welcher Position wir ihn dort eingesetzt haben.“

Die Platzierungen der Junioren-EM 2012:
1. Spanien, 2. Kroatien, 3. Slowenien, 4. Schweden, 5. Portugal, 6. Norwegen, 7. Deutschland, 8. Schweiz, 9. Russland, 10. Dänemark, 11. Island, 12. Polen, 13. Tschechien, 14. Frankreich, 15. Serbien, 16. Türkei

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